Politik der SVP Kanton Schwyz


Mitteilungen / Leserbriefe / News

Donnerstag, 29.10.2020 / 8. Jg.

Der Tod lässt sich nicht einsperren - Leserbrief Schwyzer Volksblatt

Von PIRMIN SCHWANDER | 2020-07-11

Der Tod lässt sich nicht einsperren

 

Bote der Urschweiz vom 11. Juli 2020

In der Schweiz sind jährlich zwischen 600 und 700 Todesfälle auf übertragbare Krankheiten zurückzuführen (ohne Infektionen der Atemwege). Und der Bundesrat schreibt in seiner Bot-schaft zum Epidemiegesetz: «Nach Schätzungen der Expertengruppe Swiss-NOSO lei¬den in der Schweiz bis zu 14% der hospitalisierten Patientinnen und Patienten an therapie¬asso¬zi-ierten Infektionen. Dies bedeutet, dass jährlich rund 70 000 therapie¬assoziierte Infektionen auftreten, die eine Verlängerung des Spitalaufenthalts, unnötiges Leiden und beinahe 2000 Todesfälle zur Folge haben und Kosten von 230 Millionen Franken verursachen.»

Was sind therapieassoziierte Infektionen? Einfach gesagt: Man geht ins Spital, und an¬schlies-send ist man kränker als zuvor. Oder noch einfacher: Spital - «Kä¬fer»! Gemäss einer Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kon¬trolle von Krankheiten (ECDC) sind in Europa pro Jahr 3 Millionen Menschen vom Spital - «Käfer» betroffen. Die Studie kommt zum Schluss, «dass resistente Erreger heute eine der gröss¬ten Krankheitsbedrohungen in Europa darstellen».

Diese Fakten sind unbestritten. In den aktuellen Covid-19-Diskussionen führen sie logi¬scher-weise zur Frage: Weshalb legen Bundesrat und die Kantonsregierungen mit einer unsi¬che¬ren und unbrauchbaren Datenbasis das öffentliche Leben und die halbe Wirtschaft still und lassen die Spitäler und Gesundheitseinrichtungen weiterhin schalten und walten wie sie wollen? Antwort: Wir verbessern laufend die Hygienevorschriften. Wenn sich Bakterien, Viren oder Pilze einnisten, droht in den Spitälern grosse Gefahr für die ohnehin risiko¬belasteten Patientinnen und Patienten. Damit müssen wir leben. Der Tod lässt sich nicht einsperren!

Aha. Wir müssen also damit leben. Bakterien, Viren, Pilze leben im Menschen, seit es ihn gibt! Und wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in den letzten paar Jahrzehnten ein tief¬greifen¬der und gesellschaftlicher Wandel stattgefunden hat. Wirtschaftliche Integration, Migrations¬be¬we-gungen, Tourismus, fortschreitende Verstädterung und weitere Faktoren fördern das Auftreten und die Weiterverbreitung von Krankheitserregern. Durch die internationale Mobilität von Menschen und Waren reisen zahlreiche Krankheitserreger mit. Innerhalb von wenigen Wochen können sich Krankheiten über die ganze Welt ausbreiten. Können oder wollen wir damit leben?

Wir haben keine andere Wahl, als damit zu leben. Die Stilllegung des öffentlichen Lebens und der halben Wirtschaft war und ist keine Lösung. Und der Bundesrat konnte am 16. März 2020 beispielsweise keine Schutzmaskenpflicht verordnen, weil keine Masken vorhanden waren. Die Lehren aus der Pandemie-Übung 2014 zeigten offenbar keine Wirkung. Nach dieser Übung wurden die Kantone nämlich aufgefordert, sofort medizinische Güter für den Pandemie-Fall zu beschaffen. Die Kantone und damit auch die Spitäler haben seit 2014 nicht reagiert und bis zum 16. März 2020 geschlafen. Diese Vernachlässigungen müssen nun durch eine parlamentarische Untersuchungskommission aufgearbeitet werden.

Und jetzt kommt noch der Bundesrat, und will das Covid-19-Notrecht in ein Bundesgesetz über¬führen und weiterhin - über den Monat September hinaus - sämtliche Kompetenzen bei sich behalten (Die Vernehmlassungsfrist dauerte vom 19. Juni bis 10 Juli 2020. Im Normalfall beträgt die Vernehmlassungsfrist mindestens drei Monate.). Nebenbei bemerkt geht es unter anderem auch um Kompetenzen, welche nicht einmal die Bundesversammlung hat. Denn für die Ausrufung von Notrecht (ausserordentliche Lage) und die bereits beschlossenen Kredit-vergaben gibt es keine Kriterien und keine Verfassungs- und Rechtsgrundlagen.

Nach der Erkenntnis, dass wir mit Bakterien, Viren und Pilzen leben (müssen) und der Tod sich nicht einsperren lässt, müssen wir so schnell wie möglich wieder zum normalen Alltag zurückkehren und überlegen, mit welchen Schutzmassnahmen wir neben oder mit dem neuen Virus leben können. Haben wir eine andere Wahl?

Schwyzer Volksblatt

c/o New Economy GmbH

c/o Grotzenmühlestrasse 32 - 8840 Einsiedeln

info@schwyzer-volksblatt.ch


Impressum