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Schwyzer Volksblatt, Samstag 19.01.2019 / 7. Jahrgang

Hochwasserschutz auf dem Prüfstand - Projekte an Sihl, Zürichsee und Limmat

Von - 24.09.2013

Hochwasserschutz auf dem Prüfstand - Projekte an Sihl, Zürichsee und Limmat

Die Kantone Zürich und Schwyz prüfen zwei Konzepte für den langfristigen Hochwasserschutz an Sihl, Zürichsee und Limmat: die Kombilösung Energie, die einen Ausbau des Wasserkraftwerks Etzel der SBB vorsieht, und einen Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil. Untersucht werden müssen insbesondere die Auswirkungen der in beiden Konzepten geplanten Umleitung von Sihl-Hochwasserspitzen in den Zürichsee. Die Modellversuche für den Einlauf eines möglichen Entlastungsstollens sind bereits abgeschlossen. Heute hat die SBB als Betreiberin des Etzelwerks eine Vorstudie präsentiert, die bestätigt, dass auch die Kombination von Energieproduktion und Hochwasserschutz am Sihlsee machbar ist.

Die Kantone Zürich und Schwyz hatten im April 2012 zwei mögliche Lösungen für den langfristigen Hochwasserschutz an der Sihl und an der Limmat mit Einbezug des Zürichsees vorgestellt: Einen Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil und die «Kombilösung Energie», eine Verbindung von Massnahmen am Sihlsee mit einem Ausbau der Pumpspeicherung beim Kraftwerk Etzel der SBB. Beide Konzepte schützen die Stadt Zürich sowie die Gemeinden entlang von Sihl und Limmat vor einem Extremhochwasser. Die Kantone Zürich und Schwyz sind daran, die zwei Konzepte zu konkretisieren, um gemeinsam mit den Projektpartnern über die bevorzugte langfristige Hochwasserschutz-Lösung entscheiden zu können. Heute haben die beiden Kantone und die SBB die Behördenvertreter über den Projektstand informiert.

Gemeinschaftliche Erarbeitung der Entscheidungsgrundlagen

Die beiden Konzepte werden in einem gemeinschaftlichen Prozess vertieft, an dem die direkt betroffenen Gemeinden und Kantone entlang von Sihl, Zürichsee und Limmat aktiv beteiligt sind. Zu prüfen sind die Auswirkungen auf die Alp, die Sihl, den Sihlsee, das untere Linthgebiet, den Zürichsee und die Limmat. Themen in den Teilprojekten sind Hochwasserschutz, Restwasser, Grundwasser, Trinkwasserversorgung, Siedlungs- und Naturschutzgebiete, Fischerei, Wassertrübung, Tourismus usw. Die Erarbeitung der Entscheidungsgrundlagen erfolgt in einer breit abgestützten Projektorganisation. Dafür hatte der Zürcher Regierungsrat im September 2012 4,25 Millionen Franken bewilligt. Der Bund beteiligt sich an diesen Projektierungskosten.

Optimierung des möglichen Stolleneinlaufs

Im Juli 2013 hat die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich die Modellversuche für den Einlauf des möglichen Entlastungsstollens bei Langnau am Albis beendet. Die Versuche im Auftrag des Kantons Zürich lieferten wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung des 130 Meter langen Einlaufbauwerks. Ab einem Abfluss von 150 m3 pro Sekunde würde Sihlwasser durch den Entlastungsstollen in den Zürichsee umgeleitet. Das wäre nach heutigen Erkenntnissen alle drei bis fünf Jahre der Fall. Damit wäre sichergestellt, dass Langnau am Albis, Adliswil und die Stadt Zürich vor einem Extremhochwasser geschützt sind. Gleichzeitig verbliebe genügend Restwasser in der Sihl, um den ökologischen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Balance zu finden zwischen Hochwasserschutz und Ökologie war Gegenstand eines Workshops, an dem Fachleute und Behördenvertreter auch über potenzielle städtebauliche Aufwertungen des Sihlraums diskutierten. Der Kanton Zürich untersucht die möglichen Auswirkungen der Sihlwasser-Umleitung in den Zürichsee bei Thalwil.

Mit einem weiteren Modellversuch lassen der Kanton Zürich und die SBB nun die Durchflusskapazität der Sihl unter dem Zürcher Hauptbahnhof prüfen. Die dortige Kapazität war 2007 mit dem Bau der neuen SBB-Durchmesserlinie durch die Absenkung der Flusssohle erhöht worden. Jetzt sollen die an der heutigen Behördenorientierung an der ETH Zürich vorgestellten Modellversuche Aufschluss darüber geben, welche maximalen Hochwassermengen gefahrenlos unter dem Hauptbahnhof Zürich abfliessen können und wie die Durchflusskapazität weiter gesteigert werden könnte. Diese Erkenntnisse sind wichtig für die Konkretisierung der beiden langfristigen Konzepte für einen Entlastungsstollen und die Kombilösung Energie.

Die Kombilösung Energie ist machbar

Nach 80 Jahren läuft die von den Kantonen Zürich, Zug und Schwyz sowie den Bezirken Einsiedeln und Höfe an die SBB verliehene Etzelwerk-Konzession 2017 aus. Sowohl die Druckleitung als auch wesentliche Teile der Kraftwerkszentrale haben das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht und müssen erneuert werden. In einer von den Kantonen Zürich und Schwyz, den Bezirken Einsiedeln und Höfe sowie der SBB in Auftrag gegebenen Vorstudie wurden die Grundlagen für die Neukonzeption des Etzelwerks erarbeitet. Dabei wurde auch die Variante «Kombilösung Energie» zur Verbesserung des Hochwasserschutzes bei Einsiedeln und im Sihltal – vom Sihlsee bis in die Stadt Zürich – in die Überlegungen einbezogen. Die Konzessionsgeber des Etzelwerks haben sich im Juli 2013 mit der Konzessionärin SBB zur ersten formellen Verhandlung getroffen, um mit einer neuen Konzession den Betrieb des Kraftwerks für die nächsten Jahrzehnte zu sichern. Die Anliegen an den modernen Hochwasserschutz können in die neue Konzession eingebunden werden.

Zur Speicherung der Schwankungen aus Wasserzuläufen, Wind- und Sonnenenergie prüft die SBB den Ausbau des Pumpspeicherbetriebs. Parallel dazu entwickelt die SBB zusammen mit den Kantonen Schwyz, Zürich und den Bezirken Einsiedeln und Höfe das Konzept «Kombilösung Energie» im Rahmen der Konzessionserneuerung des Etzelwerks weiter. Eine Vorstudie zeigt, dass ein Ausbau der Etzelwerk-Kapazität aus technischer, ökonomischer und ökologischer Sicht mit Berücksichtigung der Verbesserung des Hochwasserschutzes möglich ist. Dabei sind der Ausbau und der Betrieb des neuen Kraftwerks mit einem Partner aus der Energiewirtschaft vorgesehen. Bis im April 2014 wollen die SBB den Anforderungskatalog erstellen, Varianten für die Kraftwerkkonzeption erarbeiten und in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen die Umweltverträglichkeitsprüfung sowie geologische und hydrologische Untersuchungen starten. Mit potenziellen Partnern soll die Wirtschaftlichkeit des Pumpspeicherbetriebs geklärt werden.

Den Entscheid über die bevorzugte langfristige Hochwasserschutz-Lösung fällen die Projektpartner voraussichtlich 2015. Bis jetzt kann keiner der beiden Lösungswege eindeutig favorisiert werden. Beide Konzepte schützen bei Investitionskosten von 70 bis130 Millionen Franken die Siedlungsgebiete vor Hochwasserschäden von bis zu 5 Milliarden Franken. Bei beiden Lösungen soll die Sihl ihren Charakter als Wildfluss behalten. Für den Entlastungsstollen spricht die einfachere Projektierung, während der Ausbau des Etzelwerkes Hochwasserschutz und Energieproduktion miteinander verbinden würde.

Das Umweltdepartement Kanton Schwyz führt über die möglichen Auswirkungen des Hochwasserschutzes auf den Sihl- und Zürichsee sowie über die Erneuerung des Etzelwerkes zwei Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung durch:

- Montag, 23. September 2013, 20 Uhr, Gemeindesaal, Altes Schulhaus, Einsiedeln

- Freitag, 27. September 2013, 20 Uhr, neuer Pfarreisaal, Altendorf

Das Konzept «Kombilösung Energie» basiert auf dem Ausbau des Etzel-Wasserkraftwerks am Sihlsee. Durch einen neuen, bedeutend grösser dimensionierten Druckstollen soll bei drohender Hochwassergefahr mehr Wasser aus dem Sihlsee in den Zürichsee übergeleitet werden können. Mit diesem Konzept können die Kantone Schwyz und Zürich gleichzeitig den Hochwasserschutz für die Schwyzer Gemeinden unterhalb des Sihlseedammes, Langnau am Albis, Adliswil und Zürich sicherstellen, die Energienutzung steigern und die Sihl ökologisch und städtebaulich aufwerten. Auch für die Gemeinden an der Limmat unterhalb der Stadt Zürich würde sich der Hochwasserschutz verbessern. Wird zusätzlich die Alp durch einen Stollen oberhalb von Einsiedeln teilweise in den Sihlsee übergeleitet, sind auch Einsiedeln und die unterhalb gelegenen Gebiete an der Alp noch besser vor Hochwasser geschützt; gleichzeitig ist eine zusätzliche Steigerung der Energieproduktion möglich.

Das Konzept «Kombilösung Energie» kann zeitlich gestaffelt ausgeführt werden: zuerst die verbesserte Regulierung des Sihlsees, später die lokalen Massnahmen entlang des Sihlsees zum Schutz vor hohen Pegelständen bei extremen Hochwasserereignissen und zum Abschluss die Erweiterung des Kraftwerks sowie die teilweise Überleitung der Alp in den Sihlsee. Verzichten die Betreiber des Etzelwerks auf eine teilweise Überleitung der Alp in den Sihlsee, muss der Kanton Zürich für die Hochwassersicherheit zusätzliche lokale Schutzmassnahmen in Adliswil, Langnau am Albis und Zürich realisieren. Die Kombilösung Energie könnte zeitlich gestaffelt innerhalb von 15 Jahren umgesetzt werden.

Das Konzept Entlastungsstollen sieht einen Entlastungsstollen bei Langnau am Albis/Gattikon vor zur Umleitung der Sihl-Hochwasserspitzen in den Zürichsee bei Thalwil. Mit diesem Konzept kann der Kanton Zürich den Hochwasserschutz für Langnau am Albis, Adliswil und Zürich sicherstellen. Zudem ergibt sich Potenzial für die ökologische und städtebauliche Aufwertung des Sihl-Flussraumes zwischen Langnau am Albis und dem Zürcher Platzspitz, wo die Sihl in die Limmat fliesst. Diese Aufwertung kann gleichzeitig oder nach dem Bau des Entlastungsstollens in Etappen realisiert werden. Das Konzept «Entlastungsstollen» könnte der Kanton Zürich innerhalb von 8 bis 12 Jahren umsetzen.

Quelle: www.sz.ch

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